Biographie

Nach dem Abitur 1987 in Waiblingen zog es mich zunächst Richtung Gartenbau und Landwirtschaft. Nach einem Grundkurs in der Hohenloher Bauernschule in Weckelweiler und Praktika in einem Biolandgartenbaubetrieb und einer Baumschule, entschloss ich mich zu einer zweijährigen Ausbildung in der Landwirtschaft. Meine Lehrzeit auf zwei Demeterbetrieben mit Milchvieh- und Milchschafhaltung habe ich 1991 mit der Gesellenprüfung abgeschlossen.

Auf Grund meines Interesses an anderen Ländern, Menschen, Kulturen und Religionen entschloss ich mich dann 1993 in meinem Leben noch eine andere Richtung einzuschlagen und begann in Bayreuth ein Studium der Ethnologie, Religionswissenschaft und Geschichte. Nach einem Wechsel an die Universität in Marburg/Lahn und einem Umorientierungsprozess über die Soziologie fand ich dann dort meinen Studienschwerpunkt Nordamerika. Nach einem Auslandsstudienjahr an der "University of Alberta" in Edmonton, Kanada, habe ich dann im Februar 2000 mein Studium der Ethnologie, Religionswissenschaft und Amerikanistik in Marburg mit der Magisterprüfung abgeschlossen.

Nach 7 langen Jahren schnöder Theorie und überwiegend intellektueller Arbeit empfand ich das dringende Bedürfniss endlich mal wieder etwas "Vernünftiges" mit meinen Händen zu tun. Nach einem Drehkurs im März 2000 in der Töpferei von Monika Rödl in Ungarn am Plattensee wollte ich Keramikerin werden. Meine Ausbildung zur Keramikerin verlief dann auf einem etwas unkonventionellen Wege. Ich habe über einen Zeitraum von 5 Jahren in mehreren Werkstätten Praktika gemacht. Dies waren die Töpferei Monika Rödl in Ungarn, die Töpferei Uli Hemberger in Michelstadt/Odw. und die Töpferei Jürgen Strohm in Villingen-Schwenningen. Durch zahlreiche Fortbildungsseminare beim Kalkspatz e.V. und auch in der Scuola di Ceramica, Gordola/Schweiz unter anderem zu den Themen Porzellanverarbeitung, Holzbrand, Ofenbau, Glasurentwicklung, Rakuofenbau und Drehen habe ich versucht meinen keramischen Horizont zu erweitern. Hierzu gehörten auch Auslandsaufenthalte bei international bekannten Töpfern wie Richard Dewar in Frankreich zum Thema Drehen und Salzbrand und Nic Collins in England, wo ich lernte einen kleinen Anagama-Holzbrandofen zu bauen und zu brennen oder auch der Besuch des internationalen Keramikfestivals in Aberystwyth, Wales/England.

Parallel zu meinem praktischen Lernen in Werkstätten und Seminaren habe ich auch 3 Jahre die Berufschule in Stuttgart besucht. Dort habe ich meine Ausbildung zur Keramikerin im Juli 2005 mit der Gesellenprüfung abgeschlossen.

Seit Januar 2006 betreibe ich nun in Mainhardt-Hohenegarten meine eigene kleine Keramikwerkstatt. Im Juli 2007 eröffnete ich den Laden, in dem ich meine Waren vor Ort verkaufe.

Ich selbst würde meine Arbeit eher als eine handwerkliche denn als eine künstlerische definieren. Die Ausbildung zum Scheibentöpfer hat ihre Wurzeln in einer handwerklichen Tradition, die den gelernten Töpfer dazu befähigt durch manuelle Fertigkeiten und fachliches Wissen funktionale Gegenstände des täglichen Gebrauchs herzustellen.

Sicher war jedoch ein gewisser ästhetischer Anspruch schon immer in allen handwerklichen Berufen und Traditionen vorhanden. Dies konnte ich auch während meines Studiums der Ethnologie feststellen. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben die Menschen nicht nur funktionale, sondern auch wunderschöne Dinge für den täglichen Gebrauch hergestellt und so Funktion und Ästhetik miteinander verbunden.

Ich denke, dass dieser ästhetische Anspruch für viele Leute, die handwerkliche Traditionen schätzen, heute sogar wieder mehr im Vordergrund steht wie in der jüngeren handwerklichen Geschichte. In handwerklicher Tradition hergestellte Waren werden allein schon wegen ihres hohen Preises immer mehr auch zu Luxusgegenständen, bei denen oftmals nicht allein die Funktion im Vordergrund steht, sondern die Tatsache, dass sie unser Leben verschönern und in ästhetischer Hinsicht bereichern sollen. Eine zwingende Notwendigkeit für rein handwerklich hergestellte Funktionsgegenstände gibt es nicht mehr. Können doch alle Waren viel billiger und von der Funktion her ebenso befriedigend auch industriell hergestellt werden.

Momentan liegt mein Arbeitsschwerpunkt durchaus noch in der Herstellung funktionaler Keramik wie Geschirr und Pflanzkeramik. Diese Alltagsgegenstände sollen jedoch nicht nur handwerklich gut und funktionell sein, sondern sie sollen auch durch ihre Ästetik, durch Form und Farbgebung den Betrachter und Benutzer erfreuen. Auf diese Art und Weise werden die handwerklichen Fähigkeiten und das fachliche Wissen durch das kreative Element der künstlerischen Gestaltung ergänzt und das Funktionale erfährt eine individuelle Ästhetik durch die Hand des Töpfers.

Bei vielen Töpfern, die aus der handwerklichen Tradition der Herstellung funktionaler Waren kommen, findet im Laufe der Zeit eine Umorientierung in Richtung "reine" Kunst statt. Damit meine ich einen Verlust der Funktionalität zum Beispiel in Richtung figürliches Arbeiten, Skulptur, Relief et cetera. Oftmals findet dieser Wandel wohl auch gezwungenermassen statt, da sich nicht jeder ein handgedrehtes Geschirr leisten kann oder will. Ein hoher Preis scheint vielen für "reine" Kunst eher gerechtfertigt, als für handwerklich hergestellte Dinge des täglichen Gebrauchs, welche bekanntlich ja auch billiger zu haben sind.

Ob dies bei mir auch der Fall sein wird bleibt abzuwarten. Bis dahin freue ich mich über jeden, der ein handgefertigtes Geschirr zu schätzen weiss und dem die künstlerisch-kreative Gestaltung meiner Waren gefällt.



Team

Claudi und Rolf
Marktwächter Nemiah
Chefin und Marktwächter bei der Arbeit
Ohne Worte